Im Gegensatz zum behauenen Stein handelt es sich beim Steinguss um ein sehr altes Gussverfahren mit pulverisiertem Stein. Bereits die Ägypter kannten eine Gusstechnik, welche auf Kalkmehl und einer Mischung von Bindemittel basierte. Dieses Verfahren ist heute noch als „Stucktechnik“ bekannt.
Beim Behauen des Steins für die grossen Kathedralen des Mittelalters war es manchmal nicht zu verhindern, dass abgebrochene Teile einer gemeisselten Skulptur wieder nachgebildet und angestückt werden musste. Dafür wurde die Steingusstechnik laufend verbessert und weiterentwickelt. So hat man dann im 15. Jahrhundert zum Beispiel die „Schönen Madonnen“ ganz in Steinguss hergestellt. Da der Stein aber nach dem Guss mit dem Meissel bearbeitet, mit Sand geschliffen, geglättet und schliesslich noch polichrom gefasst wurde, ist die Technik bis heute wissenschaftlich nur sehr wenig untersucht. Die Zusammensetzung der spätmittelalterlichen Bindemittel war sehr hochwertig und die Plastik lässt sich noch heute kaum von Sandsteinskulpturen unterscheiden.
Im 19. Jahrhundert spielte die Steingusstechnik im Bereich der Restaurierung von mittelalterlicher Steinplastik - beispielsweise an den gotischen Kathedralen - eine wichtige Rolle. Im 20. Jahrhundert wurde die Technik in der Kunst vor allem von Wilhelm Lehmbruck (1881 1919) und weiteren deutschen Expressionisten aus seinem Umkreis wieder aufgegriffen.
Die Steingusstechnik erlaubt eine andere Formensprache. Während bei der in Stein gehauen Skulptur die Form aus dem Stein herausgearbeitet wird, können beim Steinguss tiefere Faltenwürfe, Wülste und überhängende Formen, welche mit Bohrer und Meissel nicht oder nur sehr schwierig herauszuarbeiten sind, geformt werden. Zudem können sehr grosse und gewölbte Formen zusammengesetzt werden, was im behauenen Naturstein ebenfalls nur schwierig möglich ist. Steinguss lässt sich somit einerseits formen wie Keramik denn das feuchte Material mehrere Wochen formbar. Er lässt sich aber auch - ähnlich wie Metall - als vollplastische Form oder als Hohlplastik giessen. Die Haltbarkeit ist mit optimalen Bindemitteln beinahe so gut, wie diejenige von Naturstein. Das Verfahren ist aber trotz seiner Vorteile sehr aufwändig.
Der Herstellungsprozess vom Tonmodell zum fertigen Guss wird in mehreren Schritten vollzogen. Dabei gehen das Original, wie auch die Gipsformen verloren. Es handelt sich somit bei sämtlichen Steingussplastiken um Unikate.
Es muss als Verdienst Ehrismanns gewertet werden, dass sie die alte Technik des Steingusses beharrlich auslotet und weiter zu entwickeln sucht. Eva Ehrismann ist meines Wissens die einzige Steingussplastikerin in der Schweiz. .
Johanna Wirth Calvo, lic. phil. I, Kunsthistorikerin
aus »Zwischen intimer Nähe und ruhiger Distanz«
Zur Steingussplastik von Eva Ehrismann
Geschautes, Erlebtes und Erspürtes aufgefangen und geformt zu neuer Wirklichkeit
Eva Ehrismann, Bildhauerin auf Schloss Teufen, arbeitet vorwiegend in Steinguss und Bronze. Daneben auch in Stein und Gips, Holz und Terrakotta.
Ihr Thema ist der Mensch. Politisch-soziale und religiöse Aussagen stellt sie neben Gefühlswelten und dem Verhältnis der Menschen zu- und miteinander.
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